Aus Südgallien in den Hunsrück – aber nicht zurück! (2019/09)

Bei geomagnetischen Untersuchunge wurde bei Heyweiler (Rhein-Hunsrück-Kreis) große Grabgärten entdeckt. Diese nutze man im Hunsrück vom 2. Jh. v. Chr. bis ins 3. Jh. n. Chr. als Bestattungsplätze.

Bei Metalldetektorprospektionen innerhalb eines Grabgartens entdeckten die lizensierten Sondengänger Waldemar Heidebrecht und Christoph Winkels ein größeres Bronzeobjekt, das dann durch die Mitarbeiter der Landesarchäologie untersucht und geborgen wurde. Dabei kam eine Aschegrube zutage, die mit stark verbrannten Metall-, Glas- und Keramikgefäßen verfüllt war. Solche Aschengruben stehen in Zusammenhang mit Gedenkfeiern an die Toten. In der Grube fanden sich zahlreiche Terra-Sigillata Gefäße aus La Graufesenque (Südfrankreich). Von Zentral- oder Südgallien wurde ein bleiglasierter Krug in den Hunsrück importiert. Der bronzene Einhenkelkrug mit Deckel und geschmolzene Reste von Glasgefäßen vervollständigen das sehr exklusive Trink- und Esservice. Dieses besteht aus drei in der Region sehr seltenen reliefverzierten Trinkbechern der Form Drag. 30, drei Tellern Drag. 18 und einer meist durch drei teilbaren Anzahl an weiteren Schälchen aus Terra Sigillata. Inwiefern man hieraus eine Mindestzahl von drei Teilnehmern an den Feierlichkeiten schlussfolgern kann, müssen weitere Studien zeigen. Die Grube ist in den Zeitraum von 60 bis 80 n. Chr. zu datieren. Die während der Gedenkfeierlichkeiten in der Aschegrube vergrabenen Ess- und Trinkgefäße belegen auf jeden Fall eindrucksvoll die intensiven Kontakte der Bewohner des Hunsrücks nach Südgallien.
Text: P. Henrich, J. Astorg, GDKE, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz

Abbildung:

Abb. 1

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Heyweiler. Metall- und Keramikfunde aus Aschegrube in Grabgarten. Foto: GDKE, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz

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