Spuren in der Asche: Jäger und Gejagte (2020/01)

Bereits 1993 wurden in den rund 13.000 Jahre alten Aschenablagerungen des Vulkanausbruchs, bei dem der Laacher See entstand, erstmals Tierspuren bekannt.

Die im Zuge der Bimsgewinnung südlich des Ortes Polch in der Osteifel dokumentierten Spuren stammen von Auerhahn, Pferd, Rotwild und Bär. Seit 2018 entsteht nördlich der Gemeinde Mertloch ein Neubaugebiet. Bei archäologischen Grabungen wurde hier ebenfalls die Ascheschicht mit den charakteristischen Regentropfen-Einschlagsmarken freigelegt und tatsächlich tauchten erneut Tierspuren auf, bislang von Sperlingsvögeln, Kleinsäugern, Rehen und hundeartigen Raubtieren. Letztere ähneln Wolfsspuren, sind aber deutlich kleiner. Dennoch wirken sie viel massiver als die Pfoten eines Rotfuchses, selbst unter Berücksichtigung des plastischen Untergrundes, in dem Trittsiegel relativ groß ausfallen.
Zusammen mit einer in den Jahren 2000 bis 2002 südlich von von Polch dokumentierten, zwar nur mäßig erhaltenen Spur, bei der es sich wahrscheinlich um Abdrücke beschuhter Füße eines Menschen handelt, verdichten sich die Befunde zu einem höchst interessanten Szenario: Während einer kurzen Zeitspanne relativer vulkanischer Ruhe wanderte eine Vielzahl von Tieren auf der Suche nach Nahrung durch die bimsbedeckte Landschaft, ihrerseits verfolgt von hungrigen Beutegreifern. Unter den Jägern waren auch Menschen mit ihren domestizierten Hunden: Ein einzigartiger früher Beleg für die enge Beziehung von Mensch und Hund. Die Jäger waren wohl Angehörige der allerödzeitlichen Federmesser-Gruppen, die – in Ermangelung von pflanzlicher Nahrung in dieser „Bimswüste“ – auf den Jagderfolg angewiesen waren.
Text: M. Poschmann, A. v. Berg, GDKE, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz

Abbildung:

Abb. 1

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Spur eines hundeartigen Raubtiers in schnellem Lauf. Foto: GDKE, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz

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