Ahnherrin von Metternich? (2019/10)

Spärliche Hinweise auf ein frühmittelalterliches Gräberfeld im Nordosten von Metternich, Stadt Koblenz, gibt es schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts, als einzelne beim Abbau von Bims zutage getretene fränkische Grabfunde ins damalige Koblenzer Schlossmuseum gelangten.

Fortschreitender Bimsabbau und speziell in den 1970er Jahren die Errichtung des Neubaugebietes „Im Bienenstück“ führten dann ohne jede archäologische Dokumentation zur großflächigen Zerstörung des Gräberfeldes. Zu den wenigen Personen, denen die kulturhistorische Bedeutung des Ortes damals überhaupt bewusst war, gehörte der Metternicher Bürger Philipp Nick. Aus den Baugruben für die Neubauten sicherte er zahlreiche Funde und bewahrte sie auf. Die ungewöhnlichen Stücke wurden erst dieses Frühjahr der Landesarchäologie gemeldet und übergeben. Herausragende Stücke konnten zeitnah für eine Ausstellung restauriert werden. Sie lassen nun ein ausgedehntes Gräberfeld erkennen, das von der zweiten Hälfte des 5. bis ins 9. Jahrhundert hinein belegt wurde. Einige der auffälligsten Fundstücke stammen offenbar aus einem besonders reich ausgestatteten Frauengrab des frühen 6. Jahrhunderts: Ein Goldohrring mit Polyederkapsel und Schmucksteineinlagen, eine prächtige vergoldete Siebenknopf-Bügelfibel mit Kerbschnittdekor und roten Almandineinlagen, eine Amulettkugel aus durchscheinendem reinem Bergkristall, die an einem mit Goldplättchen bestückten Lederband getragen wurde, Teile eines silbernen Essbestecks und ein silberner Hakenschlüssel für ein mit bronzenen Pressblechen verkleidetes Holzkästchen. Die Eisenbeschläge eines hölzernen Schankeimers und ein bronzenes Perlrandbecken gehörten zum Tafelgeschirr. Alles das kennzeichnet die so ausgestattete verstorbene Dame als Herrin und Gastgeberin eines größeren Hofes. Dieser lag vermutlich rund 300 Meter südwestlich vom Begräbnisplatz entfernt im mittelalterlichen Ortskern von Metternich und war somit letztlich auch der Ursprung des heutigen Koblenzer Stadtteils.
Text: C. A. Jost, GDKE, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz

Abbildung:

Abb. 1

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Metternich. Auswahl an Funden der Sammlung Nick aus dem fränkischen Gräberfeld. Foto: GDKE, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz

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