Wohnstätte der Schnurkeramiker (2018/09)

Im Umfeld der Waldörfer Höfe südlich von Ochtendung, Kreis Mayen-Koblenz, befindet sich ein ausgedehntes vorgeschichtliches Siedlungsareal, das im Zuge des hier stattfindenden Bimsabbaus durch die Landesarchäologie Rheinland-Pfalz systematisch erforscht wird.
Neben zahlreichen Siedlungsspuren aus der älteren Eisenzeit treten dabei immer wieder auch Siedlungs- und Grabfunde aus der spätesten Phase der Jungsteinzeit, dem sog. Endneolithikum (Schnurkeramik und Glockenbecherkultur, ca. 2800-2200 v. Chr.) zutage. Jetzt wurde wieder ein Hausgrundriss der Schnurkeramischen Kultur entdeckt, was bemerkenswert ist, weil über die Wohnstätten dieser Zeit immer noch wenig bekannt ist.
Die von Westen nach Osten orientierte rechteckige Hausgrube mit einer Innenfläche von 7,0 m x 5,0 m war noch etwa 0,15 m tief im Bims erhalten. Eine natürliche harte Britzschicht aus vulkanischer Asche bildete die weitgehend ebene Sohle. In diese eingegraben waren 60 Pfostenlöcher unterschiedlicher Größe und Tiefe. Ihre Anordnung lässt auf eine dreischiffige Grund-Konstruktion des Gebäudes mit je einer doppelten Pfostenreihe entlang der Längswände und einem besonders starken Mittelpfosten als Hauptdachstütze schließen. Die in der Verfüllung der Hausgrube gefundenen Steingeräte und Keramikreste, zum Teil mit den typischen umlaufenden Schnurabdrücken im Rand- und Halsbereich der Gefäße, erlauben die Datierung in die Zeit der Schnurkeramik.
Untersuchungen zur Klima- und Landschaftsgeschichte haben ergeben, dass in den Gebieten des Rheinlandes ab dem Beginn des Endneolithikums eine offene Landschaft vorherrschte mit lichten Eichenbeständen, Haselsträuchern und anderen Licht liebenden Gehölzen. Dies lässt auf eine nun vermehrt betriebene großräumige Viehhaltung gegenüber dem Ackerbau und eine möglicherweise halbnomadische Lebensweise der Menschen schließen. Das Ochtendunger Grubenhaus könnte zu einem nicht ständig genutzten Wohnplatz gehört haben. Vermutlich wurde er von den sich in dem Gebiet aufhaltenden Menschen mit ihren Viehherden in gewissen Zeiträumen immer wieder einmal aufgesucht. Die zahlreichen Pfostenlöcher in der Hausgrube dürften weniger auf diverse Einbauten, als hauptsächlich auf mehrmalige Ausbesserungen und Erneuerungen am tragenden Gerüst der Behausung zurückzuführen sein.
Text: Dr. Cliff A. Jost, GDKE, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz

Abbildungen:
Abb. 1a

Abb. 1a

Waldorfer Höfe. Schnurkeramische Hausgrube von 7 m x 5 m Größe mit einer Vielzahl von Pfostenlöchern der Wand- und Dachkonstruktion. Foto: GDKE, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz/A. Schmidt
Abb. 1b

Abb. 1b

Waldorfer Höfe. Schnurkeramische Hausgrube von 7 m x 5 m Größe mit einer Vielzahl von Pfostenlöchern der Wand- und Dachkonstruktion. Foto: GDKE, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz/A. Schmidt
Abb. 2a

Abb. 2a

Waldorfer Höfe. Sorgfältig retuschierte Pfeilspitze aus Feuerstein mit widerhakenartigen kurzen Flügeln und Schaftdorn. Länge 3,5 cm. Foto: GDKE, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz/M. Neumann
Abb. 2b

Abb. 2b

Waldorfer Höfe. Sorgfältig retuschierte Pfeilspitze aus Feuerstein mit widerhakenartigen kurzen Flügeln und Schaftdorn. Länge 3,5 cm. Foto: GDKE, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz/M. Neumann
Abb. 2c

Abb. 2c

Waldorfer Höfe. Sorgfältig retuschierte Pfeilspitze aus Feuerstein mit widerhakenartigen kurzen Flügeln und Schaftdorn. Länge 3,5 cm. Foto: GDKE, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz/M. Neumann
Abb. 3

Abb. 3

Waldorfer Höfe. Fundstücke. Foto: GDKE, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz/M. Neumann

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