Der Herbst mit eisernem Blick (2018/06)

Bei Bauarbeiten für ein Industriegebiet bei Niederzissen (Kreis Ahrweiler) wurde das Hauptgebäude einer römischen Villa angeschnitten.

Aufgrund der bis zu 1m mächtigen Kolluvien, die die Fundstelle komplett abdeckten, war diese zuvor nicht bekannt. Interessierte Bürger erkannten anhand einer starken Fundstreuung in der Baustelle die Bedeutung der Anlage und informierten die Landesarchäologie. Die erste Auswertung der bei den nachfolgenden Grabungen geborgenen Kleinfunde ergab eine Nutzung der Villa vom 2. bis an das Ende des 4. Jhs. Unter den Funden, die bereits bei der Entdeckung aufgelesen wurden, gehörte auch ein Beschlag aus Bronze, eine sogenannte Büstenapplike. Zu erkennen ist die Darstellung eines Jungendlichen als Jahreszeitenpersonifikation. Anhand verschieden geschmückter Haare lassen sich bei dieser Fundgattung die vier Jahreszeiten unterscheiden. So ist der Winter im Kapuzenmantel dargestellt, der Frühling trägt einen Blüten- und der Sommer einen Ährenkranz. Bei der Applike aus Niederzissen erkennt man einen Weinlaubkranz mit Trauben -  die Attribute des Herbstes. Besonders bemerkenswert sind die mit Eisen und nicht wie oftmals üblich mit Silber eingelegten Augen. Es ist davon auszugehen, dass jeweils vier Appliken zu einem Set gehörten und an Kästchen zur Verzierung angebracht waren. Die Verbreitung und vor allem die zahlreichen Parallelen aus Köln, deuten auf eine Produktion in Niedergermanien hin.
Text: Peter Henrich, GDKE, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz

Abbildungen:

Abb. 1

Abb. 1

Niederzissen. Eine sogenannte Büstenapplike als Jahreszeitenpersonifikation. Foto: GDKE, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz / D. Bach

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